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IOM - OIM

Allgemeine Informationen zum MIDWEB Projekt

Die Herausforderungen und Möglichkeiten für die Länder im Westbalkan im Hinblick auf Arbeitsmigration und ihre sozial-wirtschaftliche Entwicklung sind zahlreich. Von 1960 bis Anfang der 1990er Jahre kamen viele Migrantinnen und Migranten aus dem Westbalkan als (saisonale) Arbeitskräfte nach Westeuropa und insbesondere auch in die Schweiz. Nachdem die Menschen in der Region anschliessend in den 1990er Jahren aufgrund von Konflikten migriert sind, ist die Wegwanderung nun wieder mehrheitlich wirtschaftlich bedingt. Ein substanzieller Teil der Bevölkerung des Westbalkans lebt mittlerweile im Ausland. Dies gilt insbesondere für Albanien und Bosnien und Herzegowina, dessen Bevölkerung sich zu einem Drittel im Ausland befindet. Für Serbien, Montenegro, Kroatien, Mazedonien und Kosovo (UNSCR 1244) beträgt dieser Prozentsatz zwischen 15% und 20%. Ein Grossteil der Arbeitsmigration führt die Personen aus dem Westbalkan in stärker entwickelte Länder, jedoch gibt es auch eine beachtliche Bewegung innerhalb der Region. Eine negative Auswirkung der Arbeitsmigration ist die Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften („Braindrain“). So sind zum Beispiel 45% der Forschungs- und Lehrkräfte aus Albanien emigriert und jede fünfte Person mit einem Hochschulabschluss hat Mazedonien verlassen. Viele Länder im Westbalkan haben unter der Abwanderung ihrer qualifizierten Arbeitskräfte gelitten. Die junge Generation in der Region betrachtet die Wegwanderung häufig als einzige attraktive Möglichkeit und nimmt folglich auch eine Arbeitsstelle unter ihrem Bildungsniveau in Kauf, womit sie zum weiteren Verlust von wichtigem Humankapital in der Region beiträgt.

Viele in Westeuropa lebende Migrantinnen und Migranten zögern mit einer Rückkehr in ihr Heimatland, da sie eine erfolgreiche Reintegration, einschliesslich der Nutzung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen, als unwahrscheinlich betrachten. Die Regierungen im Westbalkan benötigen bei der Umsetzung von effizienten Strategien zur Nutzung des Potentials der Migration für die Entwicklung und die Armutsreduktion ihres Landes weiterhin Unterstützung beim Aufbau ihrer Kapazitäten. Solche Massnahmen können das Schaffen von Anreize für eine Rückkehr, die Unterstützung bei spezifischen Reintegrationsstrategien und beim Aufbau von transnationalen Netzwerken wie auch die Sicherstellung von Kanälen für eine wirksame Verbreitung des Fachwissens der zurückgekehrten Migrantinnen und Migranten beinhalten. Dabei sind sowohl eine gesamtstaatliche Koordination wie auch eine aktive Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Westbalkan und den westeuropäischen Ländern unabdingbar. Zudem muss der Informationsfluss zwischen den Migrantengemeinschaften im Ausland und den Regierungen im Westbalkan optimiert werden.

Vor diesem Hintergrund setzt IOM gemeinsam mit ihren Partnern Migration, Asylum, Refugees Regional Initiative (MARRI), dem Deutschen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und der World Association of Public Employment Services (WAPES) das von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt Migration for Development in the Western Balkans (MIDWEB) um.

Im Rahmen dieses Projekts wird einerseits das bereits aufgebaute Netzwerk der  Migrant Service Centres (MSC) in den Ländern des Westbalkans gestärkt, um potentielle Arbeitsmigrantinnen und –migranten über legale Migrationskanäle zu informieren, und um Möglichkeiten für die Rückkehr von fachkundigen Personen bereitzustellen. In Beratungsgesprächen informieren die MSC über Immigrationsmöglichkeiten zu den 40 Hauptzielländern (in Westeuropa aber auch im Westbalkan), spezifischer zu Visabedingungen, Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen, Sozialversicherungs- und Gesundheitssystem, Stellenmarkt, Studienmöglichkeiten und Stipendienwesen. Ausserdem unterstützen die MSC auch Rückkehrerinnen und Rückkehrer mit Auskünften zu ihrem Rückkehrland. Gegenwärtig sind 22 solcher MSC operationell und weitere in Serbien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo (UNSCR 1244) und Montenegro in Planung. (vgl. Pressemitteilung)

Die Entwicklung von Massnahmen für die befristete Rückkehr von fachkundigen Arbeitskräften aus den Migrantengemeinschaften aus Westeuropa in die Länder des Westbalkans, einschliesslich deren gesellschaftlichen Reintegration und Verbreitung ihres Fachwissens, ist ein weiteres Projektziel. Dazu wird ein spezielles Programm für die temporäre oder virtuelle (mit Hilfe der Benutzung von existierenden E-Learning Management Systemen) Rückkehr von fachkundigen Bürgern aus dem Westbalkan umgesetzt. Das Programm ermöglicht die kurzzeitige Rückkehr von Fachpersonal aus der Diaspora in Deutschland, Österreich, Italien, Grossbritannien, den Niederlanden und der Schweiz in ihr Heimatland, nachdem in den Ländern des Westbalkans die lokalen Bedürfnisse für die temporäre Reintegration von fachkundigen Personen beurteilt worden ist. Die temporäre Rückkehr und Reintegration in einen Wirtschaftssektor soll nachfragegesteuert sein und das dringend benötigte Fachwissen in bestimmte Wirtschaftsbereiche bringen. In diesem Zusammenhang beinhaltet das Projekt auch unterschiedliche Aktivitäten in der Schweiz: Öffentlichkeitsarbeit in der Diaspora, Beratung von interessierten Kandidatinnen und Kandidaten, logistische Unterstützung, Orientierung und Debriefing nach der Rückkehr in die Schweiz.

Dank diesen Aktivitäten trägt das MIDWEB Projekt zur sozial-wirtschaftlichen Entwicklung des Westbalkan bei und kanalisiert die Beteiligung der Migrantinnen und Migranten zum Nutzen sowohl der Herkunfts- wie auch der Aufenthaltsländern.

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Press Note